Virus

Schlichte Shovel auf schlanken Füßen

Naumann und Co, dahinter verbergen sich zwei Jungs, die erst seit kurzer Zeit in der Custombike- Branche selbsständig sind, aber jetzt schon einen Pokal nach dem Anderen abräumen. Pünktlich zu den Hamburger Motorradtagen war die Virus fertig und wie sollte es anders sein, hat das Team vom Niederrhein auch in der Hansestadt  nicht nur für Aufsehen gesorgt, sondern auch gleich noch zwei Jubelkelche eingesackt. Die Pokale für Best of Show und Best Big Twin bereichern jetzt die Pokalsammlung in der heimischen Vitrine.

Dabei geht es den beiden Firmengründern nicht um Glanz und Glamour, das ist nur das I-Tüpfelchen oben drauf. Und wenn mit dem Gewinn auch noch ein Trip samt Bike, zur Gulf Bike Week nach Dubai verbunden ist, dann freut man sich über die Anerkennung um so mehr. Somit stellt sich die Frage, worum es denen denn geht? Im Kern geht es um nichts anderes, als um den Aufbau von Custombikes. Das klingt zunächst leicht verwirrend. Aber wenn man unter Customizing den Aufbau kompletter Bikes versteht, bei denen es immer wieder auf’s Neue darauf ankommt, mit handwerklichem Geschick immer neue Ideen umzusetzen und eine eigenen Formensprache zu definieren, dann ist es genau das, was bei Naumann & Co praktiziert wird. Und genau das geht heute den meisten „Professionellen“ verloren. Der Glaspalast muss mit allen Nebenkosten finanziert werden, die Angestellten wollen am ersten ihre Kohle und die Raten für den Maschinenpark sind auch regelmässig fällig. Da besteht das Alltagsgeschäft schnell aus Inspektionen und Reparaturen und statt klassischem Customizing greift man zum Katalog mit Bolt on Parts. Micha und Uli werden zwar demnächst neue Räumlichkeiten beziehen, aber vom besagten Glaspalast ist man weit entfernt. Und was den teuren Maschinenpark betrifft, so lächelt Michael nur gleichgültig. Natürlich sind ihm Werkzeuge und Maschinen nicht fremd, aber er versteht sich als Handwerker der alten Schule. Für einen versierten Handwerker sind viele Maschinen ein willkommenes Hilfsmittel, aber man sollte seinen Job auch ohne meistern können. Ihr könnt also davon ausgehen, dass die Virus tatsächlich Handmade ist.

Virus ist ein gutes Stichwort. Denn den Namen hat das Bike nicht, weil dieser so schön klingt, sondern dahinter steckt tatsächlich eine kleine Geschichte, die nicht unerwähnt bleiben sollte. Auftraggeber und stolzer Besitzer der Virus ist Oliver. Und der ist bei weitem kein gewöhnlicher Kunde, den mann genau zwei mal, nämlich bei der Auftragserteilung und bei Abholung trifft. Olli hat selber den Kopf voller Ideen und steht in der Werkstatt so oft wie es die Zeit zulässt neben der Werkbank, bringt sich ein und nimmt das Werkzeug notfalls auch selber in die Hand. kaum ist ein Projekt abgeschlossen, da schwirren schon wieder dutzende Ideen durch seine weit verzweigten Hirnwindungen. der Lack ist noch nicht ganz trocken und die letzte Schweißnaht noch warm, da geht der schon an das Nächste Ding. Customizing ist für ihn eben so etwas wie ein Virus, mit dem er infiziert ist und von dem er so leicht nicht wieder weg kommt. Der Name wurde folglich mehr als passend gewählt.

Bis hierhin wisst ihr nun einiges über die Erbauer und den Auftraggeber der Virus, was die Jungs vom Niederrhein zusammen gedengelt haben, wurde bisher vernachlässigt. Diesen Umstand wollen wir natürlich keinesfalls hinnehmen. Wir erwähnten ja bereits, dass ein guter Customizer vor allem viele gute Ideen, handwerkliches Geschick und den Anspruch etwas Neues zu erschaffen mitbringen sollte. Als der Startschuss für dieses Projekt fiel, war ausser einem Shovelmotor und einem Rahmen nichts weiter vorhanden und auch diese beiden Basiskomponenten wurden dafür noch einmal gründlich überholt, modifiziert und aufgehübscht. Als optisches Highlight dürften allerdings die Räder als erstes ins Auge fallen. Hierbei handelt es sich um zwei gleich große Rundlinge von Rick’s, die beide ursprünglich für den Fronteinsatz gedacht waren. Mit der Dimension 3,5 x 26 Zoll wirken sie extrem schmal und riesig. Während das Hinterrad in der modifizierten Originalschwinge rotiert, wurde das komplette Frontend von Naumann konstruiert. Und auch wenn man es kaum glauben mag, verfügt das Bike sowohl an der Front als auch am Heck über ein von Naumann konstruiertes Airridesystem. Damit lässt sich die gesamte Fuhre auf das jeweils gewünschte Niveau hochpumpen oder auch absenken. Sämtliche Blecharbeiten, wie Benzintank, Öltank und Schutzblech sind ebenfalls in den Werkstätten am Niederrhein entstanden. Bleibt abschließend die Frage, wer für den Effektlack verantwortlich ist. Für diesen Job konnten Michael und Uli Masterpainter Ingo Kruse verpflichten. Der Künstler aus Kamen hat einmal mehr alles gegeben und einen Lack auf das Blech gezaubert, der mit unterschiedlichsten Effekten überzeugt.

Damit haben Naumann & Co ein rundum gelungenes Bike auf die Räder gestellt und eindrucksvoll bewiesen, dass Customizing weder eine Materialschlacht mit teuersten parts, noch Hightechkomponenten an allen enden bedeuten muss. Weniger ist eben doch manchmal eindeutig mehr. Deutlich mehr dürften vor allem die besagten Pokale werden, welche die Virus bis zum Ende der Saison noch einfahren wird.

Text: Peter Schulz

Fotos: Thunder Media Service

Allgemeines

Besitzer: Oliver S.

Ort:Fechen

Aufbau / Umbau: Naumann & Co

Modell: The Virus

Zeit: 4 Monate

Kontakt: info@naumann-bike

Motor

Typ: Shovelhead

Hersteller: Harley-Davidson

Hubraum: 74cui

Köpfe: Harley-Davidson

Zylinder: Harley-Davidson

Kolben: Harley-Davidson

Nockenwelle: Harley-Davidson

Vergaser: S&S Shorty

Luftfilter: unknown / modified by Naumann & Co

Zündung: Harley-Davidson

Auspuff: Naumann & Co

Besonderheiten: finish by Naumann & Co

Getriebe

Hersteller: RevTech

Typ: 6 Gang

Primärantrieb:  Evil Design / modif. by Naumann & Co

Lackierung

Spachtelarbeiten: Ingo Kruse

Ausführung: Ingo Kruse

Farbe: High Shiny black

Rahmen

Hersteller: Harley-Davidson

Typ: Harley-Davidson FL

Baujahr: 1958

Gabel

Hersteller: Naumann & Co

Typ: Oldstyle Air

Besonderheiten: integr. Airride

Vorderrad

Hersteller: Ricks

Dimension: 3,5×26

Reifen:120/50-26 Vee Rubber Monster

Bremszange: PM

Bremsscheibe: Ricks

Hinterrad

Hersteller: Ricks

Dimension: 3,5×26

Reifen:120/50-26 Vee Rubber Monster

Bremszange: Kustom Tech

Bremsscheibe: Kustom Tech

Accessoires

Lenker:Naumann & Co

Griffe: Kustom Tech

Fußrasten: Kustom Tech / Naumann & Co

Tank: Naumann & Co

Öltank: Naumann & Co

Schutzblech: Naumann & Co

Scheinwerfer: Bate Style, modif. Naumann & Co

Rücklicht: Diode PW

Elektrik: Naumann & Co

Sitz: Naumann & Co / Warmsbach