Harley-Davidson Flathead

The Warhorse’s Change

Schlanke WL

Die Verwandlung vom fetten Schlachtross in ein schlankes Gefährt. Oder: Wie man aus einem der meistgebauten Harley-Davidson-Modelle etwas ganz Besonderes macht.

Als Michael Naumann und Olli Schulze die WLA aufgegabelt hatten, befand sie sich in einem jämmerlichen Zustand. Nach rund 72 Jahren und offensichtlich wenig Pflege war das Bike nur noch ein Häufchen Elend. Es blieb nichts anderes übrig, als das ranzige Teil komplett auseinander zu nehmen und zwar Schraube für Schraube. Der Motor wurde komplett überholt, der Rahmen überarbeitet und neu lackiert. Während sie dabei waren, der WLA neues Leben einzuhauchen, kam einer der Stammkunden in die Werkstatt und verliebte sich auf den ersten Blick. Andy hat schon mehrere Bikes bei Naumann & Co gekauft und ist ein gern gesehener Gast im Bike House Schermbeck. Er hat gleich gesehen, welches Potential in dem kleinen Ding steckt und hatte auch schon ein paar Ideen, wie die WLA werden soll. Aus dem hässlichen Entlein in Militärgrün sollte ein glitzernder Schwan werden. Zwar hatten die Naumänner etwas mehr in Richtung Oldschool im Sinn, aber wenn der Kunde es anders möchte – bitte gerne. Immer wieder einmal wurde heiß diskutiert und sich dann doch in eine Richtung geeinigt. Sonst heißt es ja schon mal, dass viele Köche den Brei verderben, aber hier passt alles hervorragend zusammen. Bei dem Gedanken an eine WLA hat man ja sofort dieses voluminöse Gerät aus dem II.Weltkrieg mit fetten Schutzblechen, Trittbrettern, Sturzbügeln und jede Menge anderen Kram im Kopf, den man genau genommen eigentlich nicht braucht. Dieses Bike wurde für einen Zweck gebaut, bei dem dieses Ausstattung wirklich Sinn machte. Als die US-Army damals den Auftrag ausschrieb, konnte Harley-Davidson das Angebot aus dem Hause Indian mit der 500er Scout und ein weiteres Angebot mit einem BMW-ähnlichen Motorrad einer Tochtergesellschaft von General Motors ausstechen. Angeblich wurde die Ausschreibung mehrfach angepasst, bis es zur WL passte…

Jedenfalls wurden fast 90.000 WL in Militärausführung als WLA gefertigt, was dieses Motorrad zu einer der meistgebauten Harley-Davidsons macht. Für den Einsatz in den damaligen Kriegsgebieten hatte die WLA den Gasgriff und die Handschaltung für die drei Gänge links am Tank, damit die rechte Hand frei zum Schießen blieb. An der rechten Seite der Gabel befand sich griffbereit das Gewehr in einem beachtlich großen Lederholster und auf der linken das Munitionsköfferchen. Mit diesen Gewichten an der Gabel war das sicher kein schönes Lenken und mit dem massiven Gepäckträgersystem hinter dem Schwingsattel insgesamt kein komfortables Fahren. Nimmt man den ganzen Plunder aber weg, kommt der wunderschöne Flathead zur Geltung und man sieht erst einmal, wie schlank dieses Bike eigentlich ist. „Handgefertigte Krafträder von Naumann & Co.“ ist bei diesem Schmuckstück wörtlich zu nehmen. Die Liste der eigens angefertigten Teilchen ist lang: vom Lenker über den Tank und den Öltank bis zu den Krümmern und dem Endtopf wurde alles im Hause Naumann zusammengedengelt, poliert und angepasst. Und auch die aus dem Zubehör zugekaufte Lampe, das Rücklicht und die diversen Kleinteile passen perfekt. Ein sehr feines I-Tüpfelchen: die Gabel von einer Harley-Davidson JD verhilft der WLA auch vorne zu einer schlanken Silouhette. Da Andy mit diesem Bike auch gerne und viel fahren will, haben ihm die Naumänner die Handschaltung auf Fußschaltung umgebaut. Ab Werk gab es die WLA nur mit Handschaltung, aber auch wenn es vielleicht cooler aussieht, auf Dauer kann eine Fußschaltung ziemlich praktisch sein. Mit den schmalen Reifen hat sie eine super Kurvenlage und Dank des nun geringen Gewichtes auch sonst ein gutes Handling. Klar war ja schon, dass Militärgrün oder gar Mattschwarz für den Lacksatz nicht in Frage kamen. Das Schätzchen hatte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Die Lackierung stammt von den Spezialisten für Custom-Painting und Airbrush aus der Nähe von Hamburg – vom Schrammwerk. Danny Schramm fand mit dem Orangegold den richtigen Ton für das gewünschte Bling-Bling, ohne zu übertreiben. Alles in allem eine runde Sache, diese schlanke WLA.

text: Maggie Zimpel

Fotos: Delle K. / Peter Schulz


 

Allgemeines

Name des Bikes: Mr. Flatty

Besitzer: Andy

Ort: Schermbeck / München

Umbau von: Naumann & Co

Modell: Harley-Davidson WLA

Bauzeit: vier Monate

Fertigstellung: September 2014

Wert: 39.000 Euro

Motor

Baujahr: 1942

Hersteller: Harley-Davidson

Hubraum: 750 ccm

Block: Harley-Davidson

Köpfe: Harley-Davidson

Zylinder: Harley-Davidson

Kolben: Harley-Davidson

Nockenwelle: Harley-Davidson

Kurbelwelle: Harley-Davidson

Vergaser: Harley-Davidson

Luftfilter: Custom Chrome

Zündung: Magneto

Auspuffanlage: Naumann & Co

Getriebe

Hersteller: Harley-Davidson

Typ: 3-Gang

Fahrwerk

Rahmen: Harley-Davidson

Lenkkopfwinkel: original

Schwinge: Harley-Davidson

Gabel

Hersteller: Harley-Davidson

Model: JD modified by Naumann & Co

Vorderrad

Hersteller Nabe: Kustomtech

Dimension: 21 Zoll

Reifen: Avon Speedmaster MK2, 3,0-21

Bremse: Trommel

Hinterrad

Hersteller Nabe: TTS

Dimension: 19 Zoll

Reifen: Avon Speedmaster MK2, 3,5-19

Bremse: Trommel

Accessoires

Lenker: Naumann & Co

Riser: Naumann & Co

Armaturen: Naumann & Co

Griffe: Kustomtech

Fußrastenanlage: Naumann & Co

Tank: Naumann & Co

Öltank: Naumann & Co

Lampe: Custom Chrome

Blinker: Kellermann

Rücklicht: Custom Chrome

Sitz: Naumann & Co

Kennzeichenhalter: Naumann & Co

Schutzblech: Naumann & Co

Lackierung

Ausführung: Danny Schramm / Schrammwerk

Farbe: Orangegold und Schwarz