Simply Iron

Simple Iron

Custom Kunst vom Niederrhein

Für die Einen beginnt Customizing mit der Montage eines neuen Spiegels aus dem Zubehör, für andere ist es die Kunst, mit jedem Bike aufs Neue den eigenen Vorstellungen von einem Custombike Ausdruck zu verleihen. Jede Schraube jedes Bauteil zu überdenken und dem Gesamtkonzept zu unterwerfen und auf diese Weise am Ende etwas einzigartiges zu erschaffen. Michael Naumann ist in seinem Schermbecker Unternehmen gerne dazu bereit, euch besagten Spiegel an die Mühle zu schrauben, das volle Programm, von der Inspektion bis zum Reifenwechsel könnt Ihr hier ebenso erledigen lassen, aber wirklich interessant wird es erst, wenn der Customizer ganz tief in die Trickkiste greift und unter seinen Händen völlig eigene Kreationen entstehen.

Michael Naumann oder Naumann und Co, wie sein Schermbecker Unternehmen heißt, ist schon ein Phänomen. Nahezu allen professionellen Motorrad-Bauern ist der Name ein Begriff, dem man mit Respekt begegnet. Bei fachlichen Problemstellungen ist der nicht selten eine letzte Anlaufstelle und Michael steht immer mit einem guten Rat oder aktiver Unterstützung parat. Anders herum ist der Bekanntheitsgrad momentan noch ziemlich gering. Viele kennen zwar seine Kreationen, wissen aber nur selten, wer dahinter steckt. das ist nur allzu typisch für den Niederrheiner, der zumeist eher bescheiden auftritt, seine Bikes zwar gerne im Rampenlicht sieht, sich selbst aus diesem allerdings gerne zurückhält.

Eigentlich könnte man diesen Beitrag exakt an dieser Stelle auch schon beenden. Ihr wisst nun wie Michel tickt und das Bike, beziehungsweise die Bilder davon sprechen für sich. Aber mal ehrlich, schaut euch das Teil mal etwas genauer an und Ihr werdet uns beipflichten, dass der Bock etwas mehr Aufmerksamkeit und Respekt verdient hat.

Wenn wir über die Simple Iron schreiben, müssen wir allerdings noch einmal eine kleine Zeitreise unternehmen. Irgendwann hatten wir euch den Gewinner der Hamburger Motorradtage vorgestellt, das kunterbunte Bike auf schlanken Riesenrädern hieß Virus und Ihr liegt genau richtig, wenn Ihr jetzt vermutet, dass es sich dabei ebenfalls um ein Werk von Michael handelt. Neben einer schicken Trophäe gehörte zum Preis auch eine Reise nach Dubai. Den Veranstaltern gefiel das, was da aus Europa auf sie zurollte so gut, dass man den Deutschen zur Custom-Show Emirates einlud, die im folgenden Jahr in Abu Dhabi statt finden sollte. lange Rede, kurzer Sinn, Michael hat sich bereits auf dem Rückflug die ersten Gedanken dazu gemacht, mit welchem fahrbaren Untersatz er dann in den Wüstenstaat reisen wird. Das genau dieser Ofen einmal Simple Iron heißen wird, wurde aber erst nach der Fertigstellung entschieden.

Was für Michael ein simples Stück Eisen ist, hat es bei genauerer Betrachtung allerdings Faust dick hinter den Ohren. Schaut man sich nur den Antriebsstrang an, so wird man feststellen, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Unter den für die Iron Head Sportster typischen Zylindern werkelt zwar das dazugehörige Motorgehäuse, allerdings ist das eigentlich untrennbar, seit jeher Sportster-typisch, mit dem Getriebe verbunden. Wer so einen Eisenkopf jemals auseinandergenommen hat, weiß auch, dass diese, im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern, über zwei getrennte Kreisläufe für das Öl verfügen. „Man muss eigentlich nur deren Verlauf kennen“, so Michael, „dann weiß man auch, wo man die Säge ansetzen muss“. Wir nehmen das einfach mal so hin und staunen weiter, denn wenn das originale Getriebe ab ist, stellt sich die Frage, wie die Kraft zukünftig übertragen werden soll? Genau dazu viel die Wahl auf ein 68er Big-Twin Getriebe, das nun separat gelagert werden konnte. Für die Verbindung von der Antriebswelle zum Schaltkasten vertraute man dann wieder auf die Fähigkeiten von Sven Naber, der mit seiner Firma NH-Power schon so manchem Bike zu einer optimalen Kraftübertragung verholfen hat. Für den Sekundärantrieb schließlich eine Kette zu verbauen, dürfte dabei tatsächlich verhältnismässig einfach gewesen sein.

Das dieser Antriebsstrang in keinen serienmässigen Antriebsstrang passt, liegt auf der Hand. dass Michael auch diesen eigens für das Projekt anfertigte, mag jetzt zwar nicht mehr erstaunen, ist aber doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit wert. Statt Rohren wählte eine Konstruktion aus Flacheisen, was ungleich schwieriger umzusetzen ist. Die Dämpferelemente für das Hinterrad wurden, wie bei einer Softail unter dem Getriebe gelagert. Schwinge, samt komplettem Frontend sind ebenfalls auf den Werkbänken in Schermbeck entstanden.  Gleiches gilt natürlich ebenso für alle Karosserieteile. Sitz und Heckteil, so wie der Tank wurden sauber aus Stahl-Blechen in Form gebracht. Man könnte über dieses Bike tatsächlich noch zahlreiche Seiten schreiben. Das verkneifen wir uns an dieser Stelle und fordern euch dazu auf, eure Sehhilfen zurechtzurücken und eure Blicke auf die Bilder zu richten.

Nicht nur in Dubai hat Michael für Furore gesorgt, auch uns hat die Arbeit überzeugt. Grund genug den Auftrag für das nächste Easyriders Projekt Bike nach Schermbeck zu vergeben. Inzwischen hat man am Niederrhein eine Indian-Vertretung angeflanscht und somit viel die Wahl für eine passende Basis auf eine aktuelle Indian Scout. Ihr dürft euch also jetzt schon darauf freuen, was in Michael’s Hexenküche grade mehr und mehr Form annimmt. Eines ist jetzt schon sicher, dass auch das wieder ein Werk mit unverkennbarer Handschrift und zahlreichen Features wird.

Text & Fotos: Peter Schulz

Allgemeines

Besitzer: Michael Naumann

Aufbau: Naumann & Co

Modell: Simple Iron

Zeit: 3 Monate

Kontakt: www.naumann.bike

Motor

Hersteller: Harley-Davidson

Typ: Sportster

Baujahr: 1972

Hubraum: 1000 ccm

Köpfe: Harley-Davidson

Zylinder: Harley-Davidson

Nockenwelle: Harley-Davidson

Vergaser: S&S Duo

Zündung: Magneto

Auspuff: Naumann & Co

Getriebe

Hersteller: Harley-Davidson

Jahr: 1968

Typ: Big Twin 4-Gang

Rahmen

Hersteller: Naumann & Co

Typ: Simple Iron

Lenkkopfwinkel: 35°

Gabel

Hersteller:Naumann & Co

Gabelbrücken: Naumann & Co

Vorderrad

Hersteller: TTS

Dimension: 21 Zoll

Reifen: Mitas Super Moto, 3,0/19

Bremse: nicht vorhanden

Hinterrad

Hersteller: TTS

Dimension: 18 Zoll

Reifen: Mitas Super Moto, 140/18

Bremse: Honda 550

Schwinge: Naumann & Co

Accessoires

Lenker: Naumann & Co

Griffe: Naumann & Co

Fußrasten:Naumann & Co

Tank: Naumann & Co

Öltank: Naumann & Co

Scheinwerfer: Naumann & Co

Rücklicht: CCE

Elektrik: Naumann & Co

Sitz: Naumann & Co

Lackierung

Ausführung: Danny Schramm, Schrammwerk

Idee: Michael Naumann / Danny Schramm